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1977

Johann-Nestroy Ring

City of Vienna Design Prize

Der Johann-Nestroy-Ring wurde 1976 von der Stadt Wien gestiftet anlässlich des 175. Geburtstags von Johann Nestroy. Die damalige Stadträtin und Vizebürgermeisterin war Gertrude Fröhlich-Sandner.

Entsprechend den damaligen Zeit wurde im Zuge der Ausschreibung die Gestaltung einer „Kleinskulptur“ gefordert. Seit den1960er Jahren existierte die Definition „Autorinnenschmuck“  für künstlerisch gestaltete Körperobjekte, die weit über die herkömmliche Vorstellung von Schmuck hinausgingen. Der Wettbewerb wurde in der Hochschule für angewandte Kunst in Wien ausgetragen in der Meisterklasse für Metallgestaltung. 

Meine Gedanken waren: Johann Nestroy griff in seinen Stücken wiederholt aktuelle, häufig politische Themen auf – insbesondere im Kontext des Wiener Vormärz – und hielt der Gesellschaft damit kritisch den Spiegel vor. Seine Werke verbanden die  Unterhaltung mit gesellschaftlicher Reflexion und wurden vom Publikum sowohl begeistert aufgenommen als auch kontrovers diskutiert.

Der entworfene Ring folgt diesem Spannungsverhältnis auf formaler und inhaltlicher Ebene. In geschlossenem Zustand erscheint er als gefällige runde Form mit hochglanzpolierter Oberfläche, die haptisch ansprechend ist. Diese äußere Erscheinung steht sinnbildlich für die unterhaltsame Ebene in Nestroys Werk.

Erst durch das Öffnen mittels der integrierten Scharniere erschließt sich die eigentliche Bedeutungsebene der Kleinskulptur. Im Inneren treten spiegelnde Edelstahlflächen hervor, die eine direkte Konfrontation mit dem eigenen Spiegelbild ermöglichen. Diese Gestaltung fungiert als Metapher für Selbstreflexion: Den Betrachterinnen und Betrachtern wird – im Sinne Nestroys – „ein Spiegel vorgehalten“. Dadurch wird eine vertiefte Auseinandersetzung mit den dargestellten Inhalten angeregt, die über den reinen Unterhaltungswert hinausgeht.

In Übereinstimmung mit der Ausschreibung wird der Nestroy-Ring nicht primär als Schmuckobjekt präsentiert, obwohl er prinzipiell tragbar wäre. Durch die Platzierung auf einem Podest und die Präsentation in einer Vitrine wird er seiner funktionalen Bestimmung entzogen und als autonome Kleinskulptur im Kontext der bildenden Kunst positioniert.

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